Bericht in bergwelten.com – Zelte für den Neustart ins Leben

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Stefan Keck ist eigentlich Expeditionsleiter, doch sein Reisebüro hat er vorerst auf Eis gelegt. Stattdessen nutzt der Tiroler sein Netzwerk aus Sponsoren und Transport-Partnern, um Hilfsgüter ins von Erdbeben verwüstete Nepal zu befördern – viele Menschen und Vereine helfen mit.

Interview: Martin Foszczynski

Herr Keck, dass Sie derzeit nur im Auto für ein Interview erreichbar sind, ist bezeichnend. Sie stehen auf einem Ladeplatz – worin genau besteht Ihr Hilfsprojekt?

Die Aktion baut auf der STEP 0.1-Organisation auf, die ich schon vor mehreren Jahren gestartet habe, um weltweit armen Regionen unter die Arme zu greifen. Nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal war für uns klar, dass wir schnell helfen müssen. Derzeit sind 20 Helfer im Einsatz, mein eigentliches Reisebüro steht im Moment still – sämtliche Mitarbeiter sind in die Hilfsaktion eingespannt. Es kommen ganze LKWs voller Hilfsgüter an. Wir haben einen 500 Quadratmeter großen Lagerplatz in Schwaz zur Verfügung gestellt bekommen, nachdem unser eigenes Lager zu klein geworden ist. Die Hilfsbereitschaft von Privatpersonen ist enorm – doch nicht alles Gutgemeinte, wie etwa Altkleider, ist auch sinnvoll. Jedes Kilogramm Cargo kostet Geld – unsere Aufgabe ist es, das richtige auszusortieren und zu verpacken. Meine jahrelange Expeditionserfahrung kommt mir da zugute.

Bekommen Sie hauptsächlich Güter von Privatpersonen?

Wir haben nach dem ersten Aufruf überwältigend viele Güter von Privatpersonen bekommen. Doch es helfen auch viele meiner langjährigen Sponsorenpartner mit Sachspenden oder Geldspenden für den Cargo-Transport. Die Firma STUBAI hat beispielsweise 200 nagelneue Zelte gespendet, die zu Marketingzwecken produziert wurden. Es helfen auch Bergrettung, Feuerwehr und andere Vereine.

Was geschieht mit den Hilfsgütern, nachdem sie bei Ihnen eingetroffen sind?

Wir sortieren und verpacken sie, dann werden sie nach Innsbruck zu unseren Logistikpartnern gebracht. Es handelt sich ausschließlich um erfahrene Cargo-Agenturen, mit denen ich auch bei meinen Expeditionen zusammenarbeite. Sie bieten mir einen sehr fairen Transport-Preis von rund 1,50 Euro pro Kilogramm. Heute ist die erste Ladung mit 300 Zelten Richtung Kathmandu geflogen – das entspricht circa 3,5 Tonnen Frachtgut.

Wie ist die derzeitige Lage vor Ort? Haben Sie einen Einblick?

Ich habe heute mit Josef Einwaller (Tiroler Geschäftsmann und Bergsteiger) telefoniert, der das Erdbebenunglück miterlebt hat und derzeit vor Ort hilft.  Vor allem im Langtang-Tal sieht es fürchterlich aus – der Großteil der Häuser ist einfach dahin. In wenigen Wochen beginnt die Monsun-Zeit, das bedeutet es wird über mehrere Monate anhaltende Regenfälle geben.

Was sind sinnvolle Spenden, was wird besonders gebraucht?

Zelte, Isomatten – leider auch Leichensäcke, die wurden gerade aus Nepal angefragt. Wir stellen spezielle Erste-Hilfe-Pakete zusammen, die aus jeweils einem 4-Personenzelt, 4 Schlafsäcken und 4 Isomatten sowie einer Grundausstattung an Bekleidung bestehen. Wir nennen diese Pakete „Family-Drums“, in Anlehnung an die Expeditionstonnen. Sie sollen einer Familie den Neustart ermöglichen, bis sie wieder ein festes Dach über dem Kopf bekommen. Wir schätzen, dass wir mit unserer Aktion zwischen 400 bis 500 Familien helfen können.